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Projekt NaturLicht

Das Projekt

Lichtverschmutzung betrifft nicht nur Siedlungen. Das von Städten abgestrahlte Licht wird in der Atmosphäre reflektiert und gestreut. So erreicht es auch weit entfernte, unbeleuchtete Gebiete wie etwa Naturschutzgebiete. Weniger als 2 % der Naturschutzgebiete in Deutschland sind frei von Lichtverschmutzung, etwa 18,5 % sind nur sehr gering belastet. In Baden-Württemberg ist kein Naturschutzgebiet frei von Lichtverschmutzung und nur 5,6 % sind sehr gering belastet.

Ziel von „NaturLicht“ war, generelle Aussagen zur Auswirkung einer Umrüstung von verschiedenen alten Beleuchtungsarten in unterschiedlichen Lichtbelastungssituationen zu machen. Durch die Umrüstung sollten weniger Insekten aus den Naturschutzgebieten angelockt werden und damit weniger Insekten an den Leuchtkörpern verenden. Außerdem sollte untersucht werden, welchen Einfluss einzelne Lichtparameter – wie zum Beispiel die Lichtverteilung (Lichtgeometrie) oder die Farbtemperatur – auf Insekten haben.

Im Umkreis von extrem sowie sehr hoch lichtbelasteten Naturschutzgebieten im Regierungsbezirk Karlsruhe wird die umliegende Straßenbeleuchtung systematisch erfasst und hinsichtlich ihres tatsächlichen Nutzens überprüft. Ziel dieser Analyse ist es, unnötige Lichtemissionen zu identifizieren und die Straßenbeleuchtung auf umweltschonende Technik umzurüsten. Dies beinhaltet den Einsatz energieeffizienter LED-Leuchten mit warmweißer Lichtfarbe, einer gezielten, nach unten gerichteten Lichtlenkung sowie einer Minimierung von Streulicht. Durch diese Maßnahmen werden sowohl der Energieverbrauch als auch die Auswirkungen künstlicher Beleuchtung auf sensible Ökosysteme deutlich reduziert. Gleichzeitig bleibt die Verkehrssicherheit gewährleistet.

Zahlen und Fakten

Budget: 466.854,40 EURO

Landesmittel aus dem Sonderprogramm zur Stärkung der Biologischen Vielfalt 

Projektträger: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei

Dauer: 2020-2022

Projektgebiete: Umgebung von Naturschutzgebieten und Wochenstubenquartieren der Fledermausart Großes Mausohr

„NaturLicht“ ist ein Forschungsprojekt des Regierungspräsidiums Karlsruhe zur Schaffung einer umweltverträglichen Beleuchtung in der Umgebung von Naturschutzgebieten. Im Projekt „NaturLicht“ wurden wichtige Erkenntnisse zum Einfluss und zur Optimierung von nächtlicher Beleuchtung im Hinblick auf Insekten und Fledermäuse gewonnen. 

Eine Reihe von Maßnahmen begleitete das Projekt in den Jahren 2020-2022.

Zusammenfassung der NaturLicht Ergebnisse

Im Rahmen des Projekts wurde in Kommunen an den Rändern von drei Naturschutzgebieten in den Landkreisen Rhein-Neckar, Karlsruhe und Freudenstadt ein Teil der Straßenbeleuchtung umgerüstet. Ziel war es, dass weniger Insekten aus den Schutzgebieten angelockt werden und an den Leuchtkörpern sterben. 

Wissenschaftliche Untersuchung

Gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) wurde die Wirkung der neuen Beleuchtung untersucht. Dafür richteten die Forschenden an allen Standorten Teststrecken ein:
Auf der Hälfte der Strecke wurden moderne, abgeschirmte LED-Leuchten installiert. Ihr Licht wird mithilfe spezieller Blenden gezielt auf den Weg gelenkt, während die Umgebung dunkel bleibt. Die andere Hälfte blieb mit der bisherigen Beleuchtung ausgestattet und diente als Vergleich.

Anschließend wurde erfasst, welche und wie viele Insekten von den alten und den neuen Lampen angezogen wurden. Nach Abschluss der Untersuchung wurde auch die restliche Strecke modernisiert.

Ergebnisse des Projekts

Das zweijährige Projekt lieferte wichtige Erkenntnisse für eine insektenfreundlichere Beleuchtung. An allen drei untersuchten Standorten (städtisch, vorstädtisch und ländlich) zeigte sich:

  • Abgeschirmte LED-Leuchten ziehen etwa 50 % weniger Insekten an als herkömmliche Beleuchtung.
  • Dadurch werden negative Auswirkungen auf Ökosysteme, z. B. die nächtliche Bestäubung, deutlich reduziert.
  • Gleichzeitig bleibt die Verkehrssicherheit gleich gut oder verbessert sich sogar, da die neuen Leuchten weniger blenden.

Empfehlungen für die Praxis

Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem die gezielte Lichtlenkung entscheidend ist: Licht sollte nur dort eingesetzt werden, wo es tatsächlich benötigt wird.

Für zukünftige Umrüstungen wird empfohlen:

  • abgeschirmte LED-Leuchten einsetzen
  • eine niedrige Farbtemperatur wählen d.h. unter 3000 K(warmweiß oder bernsteinfarben)

Dies ist besonders wichtig in der Nähe sensibler Lebensräume wie Naturschutzgebieten.

Im Rahmen des Projekts NaturLicht wurde an drei Versuchsstandorten untersucht, wie Fledermäuse an ihren Quartieren durch verschiedene Lichteinflüsse beeinträchtigt werden. Dazu wurden verschiedene Maßnahmen bei der Fassaden- bzw. Straßenbeleuchtung durchgeführt:

Vorgehen

  • Wochenstuben, die durch Beleuchtung betroffen sind, identifizieren
  • Lösungen für eine artenschutzgerechte Beleuchtung umsetzen
  • Lichtsituation vorher und nachher präzise charakterisieren
  • Verhalten über Projektzeitraum beobachten

Mittels Wärmebildkamera wurden die Ausflugrichtungen der Fledermäuse vor und nach der Umrüstung der Beleuchtung erfasst. Dabei zeigte sich, dass Fledermäuse hell beleuchtete Bereiche meiden. Nach der Umrüstung der Beleuchtung konnten Ausflüge auch in Bereiche festgestellt werden, die zuvor gemieden wurden. 

Zusammenfassend kann für die Fledermausmodule festgehalten werden, dass sich die Beleuchtung im Bereich der Fledermausquartiere sehr negativ auf die Fledermäuse auswirkt. 

Publikationen

1 Ergebnisse gefunden

Broschüre Nachhaltige Beleuchtung

Herausgeber: Regierungspräsidium Karlsruhe, Referat 56 - Naturschutz und Landschaftspflege

Format: DIN A4

Seitenzahl: 26

Publikationsdatum: 01.10.2025

Die Broschüre Nachhaltige Beleuchtung gibt einen Überblick über das Projekt und zeigt auf, wie wir alle mit einfachen Mitteln dazu beitragen können, die Belastung der Umwelt durch künstliches Licht zu verringern.

Kontakt

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Fachinformationen
Dominique Erb 
Projektleitung
0721 926-4365
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