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Aussaat von gebietsheimischem Saatgut stärkt die Artenvielfalt
Saatgut wurde in Naturschutzgebieten ausgebracht
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Die im Frühjahr und Sommer 2026 vom Landschaftspflegetrupp des Regierungspräsidiums Karlsruhe geernteten Samenstände von Wiesenkräutern und Gräsern (Pressemitteilung 24. Juni 2026) wurden in den letzten Wochen in Naturschutzgebieten ausgebracht. Das gebietsheimische Saatgut wurde getrocknet und vermischt. So entstand eine artenreiche Saatgutmischung. Damit wird der Boden für mehr Artenvielfalt vorbereitet.
Die Aussaat fand bei Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis im Naturschutzgebiet Nüstenbachtal am 14. Oktober 2026 statt.
Die Aussaat fand bei Ölbronn-Dürrn, Landkreis Enzkreis im Naturschutzgebiet Bauschlotter Au bereits am 7. und 9. September 2026 statt.
Die Aussaat fand bei Marxzell, Ortsteil Schielberg, Landkreis Karlsruhe im Naturschutzgebiet Albtal und Seitentäler am 27. Oktober 2026 statt.
Artenreiche Wiesen aus der Region liefern Saatgut, um die Vielfalt auf artenarmen Wiesen in der Region wieder zu steigern. Die Nähe der Spenderflächen und Empfängerflächen ist entscheidend für die Stärkung der regional typischen Pflanzenausstattung. Im Frühjahr wird das Saatgut keimen und im neuen Jahr werden neue Pflanzen aufwachsen, blühen und fruchten. Davon profitieren wiederum hunderte unterschiedlicher Schmetterlinge, Spinnentiere, Wanzen, Heuschrecken und nicht zuletzt Vögel und Kleinsäuger. Der Übertrag von Saatgut ist ein praktischer und aktiver Beitrag für die heimische Artenvielfalt und wird im landesweiten Projekt „Archewiesen“ von der Naturschutzbehörde umgesetzt.
5 Fragen und 5 Antworten
- Wie wird ausgesät?
Bevor das Saatgut auf artenarmen Wiesen ausgesät wird, wird der Boden mit Maschinen vorbreitet. Die Samen keimen besonders gut auf feinkrümeligem Boden. Nach der Aussaat wird die Fläche gewalzt, so dass die Samen gut im Boden verankert sind. Die Samen werden mit Hand oder Maschinen ausgesät. Wichtig ist eine gleichmäßige Aussaat und Windstille, so dass die Samen nicht verweht werden. - Warum eine Aussaat im Herbst?
Für alle Samen gilt, dass feuchtere Böden das Keimen fördern. Gleichzeitig gibt es auch Pflanzenarten, deren Samen die Kälte oder sogar Frost benötigen, um zu keimen. Ein praktischer Grund ist auch, dass Landwirte die Wiesen im Sommer wie gewohnt nutzen konnten. - Welche Kräuter werden ausgesät?
Es wurden Kräuter, die im Frühsommer blühen, wie beispielsweise die Kuckuckslichtnelke und auch Kräuter, die im Spätsommer blühen, wie Acker-Witwenblume oder Wilde Möhre gesammelt. Das Material wurde getrocknet und vermischt. So wird die Anzahl der unterschiedlichen Pflanzenarten im Saatgut erhöht und mit einer Aussaat eine größere Artenvielfalt ausgebracht. - Warum Ernte und Aussaat von gebietsheimischem Saatgut?
Blühmischungen und Wiesen-Saatgut aus dem Baumarkt enthalten oft Arten, die nicht heimisch sind oder aus anderen Herkunftsregionen kommen. Dies darf in der freien Natur nicht ausgebracht werden, da es zur Verfälschung der heimischen Pflanzenzusammensetzungen führt. Die Naturschutzverwaltung hat das Ziel die Artenvielfalt der jeweiligen Herkunftsregion zu stärken. - Wo gibt es weitere Informationen?
Wo liegen Spender- und Empfängerflächen? Wie können Landwirte mitarbeiten? Und welche Arbeitsschritte sind nötig, damit der Übertrag erfolgreich ist? Diese und andere Fragen werden in den FAQ auf der Internetseite des Regierungspräsidiums zum Projekt „Archewiesen“ beantwortet.
Das Saatgut wird von Mitarbeitenden der Naturschutzverwaltung geerntet. Es wird nicht weiterverkauft, sondern ausschließlich im Rahmen der Naturschutzarbeit der Regierungspräsidien auf naturschutzwichtigen Flächen verwendet.
Hintergrundinformation Projekt „Archewiesen“
Im landesweiten Projekt „Archewiesen“ wird artenreiches Grünland erhalten, wieder hergestellt und neu angelegt. Artenreiche Mähwiesen sind europäisch geschützt. Baden-Württemberg hat eine besondere Verantwortung für die Erhaltung.
Mit dem europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000 hat die Europäische Union seit 1992 die europäische Vielfalt an Lebensräumen und Arten im Auge. Neben Buchenwäldern und naturnahen Bächen gehören auch blumenbunte Mähwiesen zum Schutzgebietsnetz Natura 2000. In Baden-Württemberg und Bayern liegen deutschland- und europaweit die meisten Mähwiesen, die sich durch einen großen Artenreichtum auszeichnen
Artenreiche Wiesen liefern einen Beitrag zur heimischen Artenvielfalt, sind wichtig für den Bodenschutz und die Bodenfruchtbarkeit, den Trinkwasser- und Klimaschutz und bereichern darüber hinaus das Landschaftsbild. Im Projekt wird Saatgut von artenreichen Wiesen (Spenderflächen) gewonnen. Dafür gibt es verschiedene Methoden: Druschverfahren, Bürstenverfahren und Handsammlung. Die Vorbereitung der artenarmen Empfängerflächen umfasst die Bodenbearbeitung und die gezielte Entfernung von unerwünschten Arten.
Download der Broschüre Archewiesen – Erhaltung artenreichen Grünlands mit Handlungsempfehlungen und Hinweisen zur Umsetzung.
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Dr. Tassilo Keiber
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