Lesezeit:
Saatgut für den Herbst wird jetzt geerntet
Blütenreiche Wiesen liefern das Saatgut für mehr Artenvielfalt
Lesezeit:
Dieser Tage erntet der Landschaftspflegetrupp am Regierungspräsidium Karlsruhe die Samenstände von Wiesenkräutern und Gräsern. So liefern Wiesen aus der Region Saatgut, um die Vielfalt auf artenarmen Wiesen in der Region wieder zu steigern. Der Übertrag von Saatgut ist ein praktischer und aktiver Beitrag für die heimische Artenvielfalt und wird im landesweiten Projekt „Archewiesen“ von der Naturschutzbehörde umgesetzt. Der Landschaftspflegetrupp ist dabei im ganzen Regierungsbezirk tätig:
- Die Ernte findet bei Marxzell, Ortsteil Schielberg, Landkreis. Karlsruhe im Naturschutzgebiet Albtal und Seitentäler am heutigen Mittwoch, den 24. Juni, statt.
- Die Ernte fand bei Mosbach, Neckar-Odenwald-Kreis im Naturschutzgebiet Naturschutzgebiet Nüstenbachtal, Hessental und Masseldorn bereits am gestrigen Dienstag, 23. Juni, statt.
- Die Ernte fand bei Ölbronn-Dürrn und Ötisheim, Landkreis Enzkreis im Naturschutzgebiet Erlen-, Metten- und Gründelbachniederung bereits Mitte Juni statt.
Die unterschiedlichen Zeitpunkte sind durch die Reife der Samen bedingt. Für den Ernteerfolg ist nämlich der Zeitpunkt entscheidend. Die meisten Samen sind gut ausgereift, wenn die weißen Margeriten am Verblühen sind. Ab Mitte Juni ist dies in diesem Jahr soweit. Jetzt fahren bei trockenem, sonnigem Wetter die Mitarbeitenden des Landschaftspflegetrupps mit dem EBeetle über die vorher ausgewählten Wiesen und ernten die Samenstände ab. Der landeseigene EBeetle ist eine Spezialmaschine für die Samenernte von Wiesen. Sie bürstet die reifen Samen aus der Wiese heraus. Die gesammelten Samen werden vom Sammelbehälter aus auf weiße Leinentücher ausgebreitet. Kleine Insekten können wieder in die umliegenden Wiesen flüchten und werden nicht eingesammelt. Der Landschaftspflegetrupp bringt das Saatgut anschließend in den eigenen Bauhof zum Trocknen. Ab September wird das Saatgut von Hand auf ausgewählten Flächen ausgebracht, auf denen bisher nur sehr wenige unterschiedliche Kräuter wachsen. Neben der Aussaat wird im Herbst auch noch eine zweite Ernte stattfinden. Hier werden Samen von spätblühenden Wiesenkräuter, wie zum Beispiel vom Großen Wiesenknopf gesammelt. Auf einigen Flächen werden Samen spezieller Pflanzenarten auch mit der Hand geerntet.
Der Übertrag der Samen heimischer Wiesenpflanzen auf artenarme Fläche ist ein schneller und erfolgreicher Weg die heimische Artenvielfalt zu stärken. Schnell, weil viele Samen von Wiesenpflanzen durch Wind und Verstreuung in rund 10 Jahren nur maximal 15 Meter Wegstrecke zurücklegen würden. Mit Ernte und Aussaat können Flächen, die weiter auseinanderliegen schneller wieder artenreicher werden. Erfolgreich, weil heimischen Wiesenpflanzen einer bestimmten Herkunftsregion zielgerichtet wieder genau in dieser Herkunftsregion verwendet werden und so die „richtige“ heimische Artenvielfalt weiterverbreitet wird.
Blühmischungen und Wiesen-Saatgut aus dem Baumarkt enthält oft Arten, die nicht heimisch sind oder aus anderen Herkunftsregionen kommen. Dies darf in der freien Natur nicht ausgebracht werden, da es zur Verfälschung der heimischen Pflanzenzusammensetzungen führt. Die Naturschutzverwaltung hat das Ziel die Artenvielfalt der jeweiligen Herkunftsregion zu stärken.
Wo liegen Spender- und Empfängerflächen? Wie können Landwirte mitarbeiten? Und welche Arbeitsschritte sind nötig, damit der Übertrag erfolgreich ist? Diese und andere Fragen werden in den FAQ auf der Internetseite des Regierungspräsidiums zum Projekt Archewiesen beantwortet.
Archewiesen, artenreiches Grünland in Baden-Württemberg e | Regierungspräsidien Baden-Württemberg
Hinweis: Das Saatgut wird von Mitarbeitenden der Naturschutzverwaltung geerntet. Es wird nicht weiterverkauft, sondern ausschließlich im Rahmen der Naturschutzarbeit der Regierungspräsidien auf naturschutzwichtigen Flächen verwendet.
Hintergrundinformation „Projekt Archewiese“
Im landesweiten Projekt Archewiese wird artenreiches Grünland erhalten, wieder hergestellt und neu angelegt. Artenreiche Mähwiesen sind europäisch geschützt. Baden-Württemberg hat eine besondere Verantwortung für die Erhaltung.
Mit dem europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000 hat die Europäische Union seit 1992 die europäische Vielfalt an Lebensräumen und Arten im Auge. Neben Buchenwäldern und naturnahen Bächen gehören auch blumenbunte Mähwiesen zum Schutzgebietsnetz Natura 2000. In Baden-Württemberg und Bayern liegen deutschland- und europaweit die meisten Mähwiesen, die sich durch einen großen Artenreichtum auszeichnen
Artenreiche Wiesen liefern einen Beitrag zur heimischen Artenvielfalt, sind wichtig für den Bodenschutz und die Bodenfruchtbarkeit, den Trinkwasser- und Klimaschutz und bereichern darüber hinaus das Landschaftsbild. Im Projekt wird Saatgut von artenreichen Wiesen (Spenderflächen) gewonnen. Dafür gibt es verschiedene Methoden: Druschverfahren, Bürstenverfahren und Handsammlung. Die Vorbereitung der artenarmen Empfängerflächen umfasst die Bodenbearbeitung, die Entfernung von Unkraut und die gezielte Entfernung von unerwünschten Arten.
Download der Broschüre Archewiesen – Erhaltung artenreichen Grünlands mit Handlungsempfehlungen und Hinweisen zur Umsetzung.
Kontakt
Kontakt
Kontakt
Irene Feilhauer
Pressesprecherin
Schlossplatz 1 - 3
76131 Karlsruhe
0721 926-4051
E-Mail senden
Dr. Tassilo Keiber
Stellvertretender Pressesprecher
Schlossplatz 1 - 3
76131 Karlsruhe
0721 926-6266
E-Mail senden