Lichtverschmutzung
Was ist Lichtverschmutzung?
Die andauernde Überstrahlung natürlicher Dunkelheit durch künstliche Beleuchtung und die damit verbundenen nachteiligen Auswirkungen nennt man Lichtverschmutzung. Durch zahlreiche künstliche Lichtquellen wie Straßenbeleuchtung, Industriegebiete, Werbeanzeigen oder Licht aus Gebäuden wird der natürliche Nachthimmel immer stärker aufgehellt.
Die Lichtverschmutzung nimmt laut Satellitendaten im globalen Mittel um ca. 2 % pro Jahr zu. Bodendaten zeichnen ein drastisches Bild von bis zu 10 % pro Jahr. Auch vor unserer Haustür ist Lichtverschmutzung allgegenwärtig: Baden-Württemberg (BW) hat unter den Flächenländern die zweitgrößte Lichtverschmutzung. In der Rheinebene und im Großraum Stuttgart ist es so hell, dass die Milchstraße am nächtlichen Sternenhimmel nicht mehr zu sehen ist. Der Schwarzwald ist noch dunkel und macht seinem Namen damit alle Ehre.
Welche Auswirkungen hat Lichtverschmutzung?
Licht ist einer der wichtigsten Taktgeber des Lebens auf der Erde. Der natürliche Wechsel von Tag und Nacht steuert über die sogenannte zircadiane Uhr zentrale Prozesse – von der Genaktivität bis hin zu Verhalten, Fortpflanzung und Stoffwechsel.
Die zunehmende Lichtverschmutzung stört diese Prozesse massiv. Besonders betroffen sind nachtaktive Tiere. Mehr als 30 Prozent der Wirbeltiere und mehr als 60 Prozent der wirbellosen Tiere sind nachtaktiv.
Beim Menschen hemmt nächtliches Kunstlicht die Ausschüttung des Hormons Melatonin, das für einen gesunden Schlaf-Wach-Rhythmus essenziell ist. Chronische Störungen dieses Rhythmus stehen im Zusammenhang mit Schlafproblemen, Stoffwechselerkrankungen und weiteren gesundheitlichen Risiken.
„Wie die Motte zum Licht“ – diese Redewendung verweist darauf, wie empfindlich nachtaktive Insekten auf Licht reagieren. Zahlreiche Insektenarten werden von künstlichen Lichtquellen, z.B. von Straßenlaternen über große Entfernungen angezogen. Meist umkreisen sie die Lichtquellen bis zur Erschöpfung, werden leichte Beute für Fressfeinde oder verenden in undichten Leuchtengehäusen. Das ist fatal, denn Insekten spielen eine zentrale Rolle in vielen Ökosystemen an Land und im Wasser. Sie bestäuben Pflanzen, zersetzen abgestorbenes organisches Material und sind ein wichtiger Nahrungsbestandteil für Vögel, Nagetiere, Fische und viele andere Tiere. Besonders kaltweißes Licht mit hohem Blauanteil hat auf viele Insekten eine stark anziehende Wirkung und gilt daher als schädlicher als warmweißes Licht.
Vögel können von starken Lichtquellen von ihren Zugrouten abgelenkt werden. Sie fliegen kräftezehrende Umwege, werden geblendet oder kollidieren mit Gebäuden. Außerdem beeinflusst Licht wann und wo Vögel aktiv sind. Nächtliche Beleuchtung stört Vögel an ihren Brut- und Schlafplätzen. Sie werden zu unnatürlichen Tageszeiten aktiv oder brüten in Zeiträumen, in denen kaum geeignete Nahrung für sich und ihre Brut vorhanden ist.
Vögel reduzieren nachts ihre Körpertemperatur und ihren Stoffwechsel und damit ihren Energieverbrauch. Gerade im Winter ist diese nächtliche Energieeinsparung überlebenswichtig.
Nächtliches Kunstlicht führt aber dazu, dass diese nächtliche Absenkung der Körpertemperatur nicht mehr erfolgt. Vögel in künstlich hellen Nächten haben damit einen höheren Energieverbrauch, wodurch ihre Überlebensfähigkeit in kalten Winternächten beeinträchtigt sein kann.
Der Großteil der Fledermausarten meidet erhellte Bereiche, so dass diese für die Nahrungssuche wegfallen oder energiezehrende Umwege auf dem Flug in ihre Jagdgebiete entstehen. An ihren Quartieren reagieren alle Fledermausarten lichtempfindlich, im schlimmsten Fall geben sie ihre Quartiere sogar ganz auf. Alle 21 in Baden-Württemberg heimische Fledermausarten stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. Als Insektenfresser sind sie in besonderem Maße vom Insektensterben betroffen. Durch ihren hohen Nahrungsbedarf und die nächtliche Jagd sind sie wichtige Schädlingsvertilger.
Auch Pflanzen bleiben nicht unbeeinflusst. Künstliches Licht verlängert scheinbar den Tag, verschiebt Blüh- und Wachstumsphasen und kann die Frostresistenz mindern. Damit geraten ökologische Wechselwirkungen – etwa zwischen Blütenpflanzen und Bestäubern – aus dem Gleichgewicht.
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| Pressemitteilung vom 30.03.2026: Keine Fassadenbeleuchtung von April bis Ende September | 112 KB |
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