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Naturschutz

Vielfalt auf dem Acker: Da blüht doch was!

Fachübergreifende Jury bewertete die Beiträge zur Ackerwildkraut-Meisterschaft 2026

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Jurybegehung am 17. Juni 2026
Acker-Frauenmantel, Echter Frauenspiegel, Acker-Rittersporn, Haftdolde

Seit Mitte März 2026 waren im gesamten Neckar-Odenwald-Kreis, landwirtschaftliche Betriebe zur Teilnahme an der Ackerwildkrautmeisterschaft aufgerufen. Gefragt waren Getreideäcker, auf denen neben den Feldfrüchten auch Ackerwildkräuter gedeihen (Pressemitteilung 5. Mai 2026). Zehn Betriebe meldeten daraufhin insgesamt 20 Ackerschläge. Die Flächen liegen von Sulzbach im Süden über Weisbach im Westen bis nach Schweinberg im Nordosten des Landkreises verstreut. Die Siegerflächen wurden gestern, 17. Juni 2026, von einer fachübergreifenden Jury ausgewählt. 

Bei der gestrigen Jurybegehung nahmen Vertreter folgender Institutionen teil: Höhere Naturschutz- und Höhere Landwirtschaftsbehörde des Regierungspräsidiums Karlsruhe, Untere Naturschutz- und Untere Landwirtschaftsbehörde sowie Landschaftserhaltungsverband des Neckar-Odenwald-Kreises, Bauernverband sowie Naturschutzverbände im Neckar-Odenwald-Kreis. Susanne Wangert und Dr. Rainer Oppermann vom Institut für Agrarökologie und Biodiversität Mannheim erläuterten die Ergebnisse der Vorbegehung. Die Juryteilnehmerinnen und -teilnehmer machten sich anschließend selber ein Bild der eingereichten Ackerschläge. Dabei nutzten sie die Möglichkeit zum fachlichen Austausch und diskutierten die unterschiedlichen Sichtweisen aus pflanzenbaulicher und ökologischer Sicht. 

Die große Vielfalt auf den untersuchten Äckern zeigt: Landwirtinnen und Landwirten im Neckar-Odenwald-Kreis gelingt es, wirtschaftlichen Ertrag zu erzielen und dennoch Wildkrautarten wie den eher unscheinbaren Acker-Frauenmantel oder auch den seltenen Echten Frauenspiegel zu erhalten. Jede Ackerwildkrautart bietet Nahrung und Lebensraum für zahlreiche Insektenarten. Ackerwildkrautschutz ist daher eine bedeutende Grundlage für das Überleben von Feldvögeln, Amphibien und Fledermäusen. 

Die Sieger der Ackerwildkrautmeisterschaft werden in Kürze informiert. Die Prämierung findet am 12. Juli 2026 um 11 Uhr beim Grünkernfest in Gottersdorf im Beisein von Landrat Dr. Achim Brötel statt. Dazu sind alle Landwirtinnen und Landwirte sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger herzlich willkommen. 

Bereits vergangene Woche waren die Flächen durch ein Fachbüro begutachtet worden: Welche Ackerwildkräuter kommen auf dem Acker vor? Um welche Wildkrautgesellschaft handelt es sich? Wie viele verschiedene Arten gedeihen dort? Sind seltene oder gefährdete Arten darunter? Aber auch: Wie ist der pflanzenbauliche Zustand des Ackers? Wie gut gelingt der Spagat zwischen Ackerwildkrautschutz und Ertrag? Denn hier geht es nicht um die Kultivierung von seltenen Arten wie in einem botanischen Garten. Die Ackerwildkrautmeisterschaft soll zeigen, wie Landwirtinnen und Landwirte die biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft erhalten, während sie gleichzeitig gesunde und hochwertige Lebensmittel erzeugen. Diese anspruchsvolle gesellschaftliche Aufgabe verdient hohe Anerkennung.

Hingeschaut im Juni: Der Echte Frauenspiegel (Legousia speculum-veneris)

Der Echte Frauenspiegel, auch Venus-Frauenspiegel genannt, stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und gelangte wohl in der Römerzeit nach Mitteleuropa. Die Pflanze liebt Licht und Wärme und wächst auf kalkhaltigen Lehm- und Tonböden. Sie ist in Baden-Württemberg und auch deutschlandweit stark gefährdet. 

Die Blütezeit des Echten Frauenspiegels reicht von Juni bis August. Die intensiv violetten Blüten zeigen „Schlafbewegungen“: Sie entfalten sie sich tagsüber und schließen sich am späten Nachmittag. Ihr Name erinnert an Venus („veneris“), die römische Göttin der Schönheit, die sich darin wie in einem Spiegel („speculum“) betrachtet. 

Der Echte Frauenspiegel gehört zu den Glockenblumengewächsen und ist eine ausgesprochen gute Wildbienenweide: Seine Blüten versorgen zahlreiche einheimische Wildbienenarten mit Nektar und Pollen. Ärger macht der Echte Frauenspiegel kaum, denn er ist äußerst konkurrenzschwach. Außerhalb von Ackerflächen kann er daher kaum überleben. Liegt ein Acker länger brach, wird der Frauenspiegel schnell von anderen Arten verdrängt.

Hintergrundinformation: Ackerwildkrautgesellschaften im Neckar-Odenwald-Kreis

Ackerwildkräuter sind besonders eng an landwirtschaftliche Bewirtschaftung angepasst. Sie begleiten den Ackerbau bereits seit Jahrtausenden. Fast alle sind auf regelmäßige Bodenbearbeitung angewiesen. Manche Arten kommen nur im Zusammenhang mit einer ganz bestimmten Kultur vor. Wie bei den meisten Pflanzenarten ist die Verbreitung von Ackerwildkräutern auch vom Standort abhängig. Ist das Ausgangsgestein kalkhaltig oder sauer? Ist der Boden steinig, sandig, lehmig oder tonig? Der Standort trocken oder feucht? Je nach Bedingungen können sich ganz verschiedene Ackerwildkrautgesellschaften einstellen. 

Der Neckar-Odenwald-Kreis teilt sich grob in zwei Naturräume: Der Odenwald über rötlich gefärbtem, basenarmem Buntsandstein im Westen, das Bauland mit einem Ausgangsgestein aus hell gefärbtem, basenreichem Muschelkalk im Osten. Die Grenze verläuft etwa entlang der Bundesstraße B27. 

Typische Ackerwildkrautgesellschaft des Buntsandstein-Odenwaldes ist die Kamillengesellschaft. Sie wächst auf kalkarmen Sand- und Lehmböden. Neben der namensgebenden Kamille kommt hier etwa der Acker-Spörgel vor. Im Naturraum Bauland treten verschiedene Gesellschaften auf: Die Haftdolden-Gesellschaft gedeiht auf besonders flachgründigen Muschelkalkböden. Das sind oft sogenannte Kalkscherbenäcker: Sie sind von vielen Steinen durchsetzt und häufig sehr artenreich. Hier wachsen unter anderem wärmeliebende Arten aus dem Mittelmeerraum wie das Flammen-Adonisröschen. Die früher hier weit verbreitete, namensgebende Haftdolde ist übrigens inzwischen vom Aussterben bedroht und höchst selten geworden. Die Ackerlichtnelken-Gesellschaft ist recht weit verbreitet und wächst auf basenreichen Böden. Zu ihr gehört z.B. der Acker-Rittersporn. Bei der Tännelleinkraut-Gesellschaft kommt es weniger auf den Kalkgehalt des Bodens an. Sie kommt auf Lehm- und Tonböden frischer Standorte vor. Auf staunnassen oder wechselfeuchten Böden wiederum gedeiht die sogenannte Zwergbinsen-Gesellschaft.

Durch ihre unterschiedliche Zusammensetzung sind alle Ackerwildkrautgesellschaften wichtige Bausteine für die Erhaltung der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft. 

Infos zur Ackerwildkrautmeisterschaft im NOK

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Stellvertretender Pressesprecher
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