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Mehr Raum für seltene Röhrichtbrüter im Niedermoor
Regierungspräsidium setzt in den kommenden Tagen Pflegemaßnahmen im Naturschutzgebiet Federbachbruch zwischen Muggensturm und Malsch um – Beginn voraussichtlich ab 5. November 2026
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Noch vor wenigen Jahrzehnten war der gesamte Bereich des heutigen Naturschutzgebiets Federbachbruch gehölzfrei. Viele seltene Vogelarten besiedelten die großen Röhrichtflächen auf dem moorigen Boden. Mit den nun voraussichtlich ab 5. November 2026 startenden mehrtägigen Pflegemaßnahmen im Auftrag des Naturschutzreferats am Regierungspräsidium Karlsruhe wird ungefähr die Hälfte der inzwischen aufgewachsenen Gehölze im Bereich des sogenannten „Glaserdamms“ entfernt. Ziel ist es, die offene Landschaftsstruktur wiederherzustellen und die Lebensraumbedingungen für spezialisierte Röhrichtbrüter wieder zu verbessern.
Erfassungen der Vogelwelt aus diesem Jahr zeigen, dass die im Röhricht brütenden Vogelarten im Naturschutzgebiet deutlich abgenommen haben. Früher im Gebiet vorkommende Arten, zum Beispiel Zwergdommel, Rohrdommel, Blaukehlchen oder Rohrweihe, wurden nicht mehr nachgewiesen. Auch Brutreviere der Rohrammer und des Rohrschwirls fehlten. Lediglich ein Revier der Wasserralle wurde festgestellt. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass das Gebiet sein Potenzial als Lebensraum für spezialisierte Röhrichtbrüter derzeit offenbar nur sehr eingeschränkt erfüllt.
Als wesentlicher Faktor für diese Entwicklung ist das fehlende Wasser anzusehen. Daher arbeitet das Regierungspräsidium intensiv an Möglichkeiten, wie die Wasserversorgung des Gebiets verbessert werden kann. Darüber hinaus beeinträchtigen aber auch strukturelle Veränderungen die Lebensraumeignung. Die aufgewachsenen Gehölze und insbesondere der Gehölzriegel auf dem Damm wirken wie eine Barriere in den Röhrichtflächen. Höhere Gehölze sind Ansitzwarten für Greifvögel oder Krähen, welche zu den natürlichen Fressfeinden von Röhrichtbrütern zählen, weshalb im Röhricht brütende Vogelarten das Brüten in der Nähe von hohen Gehölzen in der Regel vermeiden. Durch die Gehölzentfernungen auf dem Damm wird die Lebensraumeignung für Röhrichtbrüter verbessert.
Hintergrundinformationen:
Kurzvorstellung Naturschutzgebiet Federbachbruch
Das Naturschutzgebiet Federbachbruch ist ein rund 43 Hektar großes Niedermoorgebiet, das sich in der eiszeitlichen Kinzig-Murg-Rinne zwischen den Gemeinden Muggensturm im Landkreis Rastatt und Malsch im Landkreis Karlsruhe erstreckt. Bereits am 22. Dezember 1982 unter Schutz gestellt, dient es der Erhaltung eines ökologisch wertvollen Feuchtgebietes, das durch den namensgebenden Federbach gespeist wird. Die Landschaft ist geprägt von ausgedehnten, dichten Röhrichten, offenen Wasserflächen und Feuchtwäldern.
Für die Tierwelt stellt der Federbachbruch ein wichtiges Rückzugs- und Brutgebiet dar. Neben zahlreichen Libellenarten bietet das Moor einen Lebensraum für über 70 dokumentierte Vogelarten. Besondere Bedeutung hat das Areal zudem für den Amphibienschutz. Um dieses empfindliche Ökosystem vor Störungen zu schützen und dennoch erlebbar zu machen, wurde am Ortsrand von Muggensturm eine Besucherplattform errichtet. Von dort aus lässt sich die ansonsten unzugängliche Röhrichtfläche hervorragend überblicken und die Tierwelt beobachten. In Naturschutzgebieten ist eine große Artenvielfalt zu Hause und kann nur hier durch eine angepasste Landschaftspflege erhalten und geschützt werden.
Warum gibt es Naturschutzgebiete?
Nur knapp 2,5 % der Fläche von Baden-Württemberg sind als Naturschutzgebiete geschützt: Im Land gibt es 1.046 Naturschutzgebiete. 231 davon liegen im Regierungsbezirk Karlsruhe. Naturschutzgebiete repräsentieren die besonderen Landschaften im Bezirk: von den nassen Auwäldern und Stromtalwiesen in den Rheinauen über die trockenen Sandmagerrasen der Hardtplatten und Lössraine des Kraichgaus bis zu den Quellauen im Neckarland und Hochmooren im Nordschwarzwald. Wie Juwelen liegen sie in unserer Landschaft: Sie sind unser wertvollstes Stück Natur! In Anbetracht des dramatischen Artenverlustes der letzten Jahrzehnte, werden Naturschutzgebiete dringend als Rückzugsraum für Tiere und Pflanzen gebraucht. Sie finden in unserer dicht bebauten und intensiv genutzten Landschaft nur noch wenig Lebensraum. Daneben bieten Naturschutzgebiete Raum für naturverträgliche Erholung von uns Menschen und bereichern unsere Lebenswelt.
Warum ist Landschaftspflege im Moor notwendig?
Die Pflege in Niedermooren ist heute dringend notwendig, um die massiven Schäden durch menschliche Eingriffe in diese sensiblen Lebensräume durch Entwässerung, intensive Landwirtschaft oder Aufforstung zu reparieren. Im naturnahen Zustand sind Moore riesige Kohlenstoff- und Wasserspeicher. Durch Entwässerung gelangt jedoch Sauerstoff an den Torf, was zu einem schnellen Abbau des Torfs führt und große Mengen an klimaschädlichem Kohlenstoffdioxid freisetzt. Ohne gezielte Managementmaßnahmen würden diese Gebiete ihre Funktion als lebenswichtige Rückzugsräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten verlieren. Erforderlich sind Maßnahmen, die den Wasserrückhalt verbessern sowie ab und zu das Mähen von Schilfbeständen zur Herstellung kleinräumiger Freiflächen und das Entfernen von aufkommenden Gehölzen Die aktive Pflege sorgt dafür, den Treibhausgasausstoß zu reduzieren, die einzigartige biologische Vielfalt zu schützen und die natürliche Schwammfunktion der Moore im Landschaftswasserhaushalt wiederherzustellen. Die dafür nötigen Finanzmittel werden vom Land bereitgestellt. Von diesen Mitteln profitieren nicht nur die seltenen Tier- und Pflanzenarten, sondern auch regionale landwirtschaftliche Betriebe oder Landschaftspflegefirmen, die diese Arbeiten ausführen.
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