Zum Inhaltsbereich Zur Hauptnavigation

Lesezeit:

Teilen via:

Naturschutz

Tierische Landschaftspfleger bereichern Heideflächen

Weidesaison im Naturschutzgebiet Kniebis-Alexanderschanze startet

Lesezeit:

Teilen via:

Heckrinder sind beeindruckende Tiere, die dem ausgerotteten Auerochsen ähneln.
Baumfällungen und Beweidung sorgen für vielfältige Lebensräume.

Ende Mai 2026 startet im Naturschutzgebiet Kniebis-Alexanderschanze (Landkreis Freudenstadt) die Weidesaison. Vier robuste Heckrinder pflegen die Landschaft bis Oktober und schaffen offene, vielfältige Lebensräume – von kurzrasigen Bereichen bis zu artenreichen Säumen. Die beweidete Fläche wächst von 14 auf 17 Hektar. Die Maßnahme wird partnerschaftlich von Kommune, Naturschutz- und Forstverwaltung umgesetzt und aus Landesmitteln der Landschaftspflegerichtlinie sowie über das Ökokonto der Stadt Freudenstadt finanziert.

Vielfalt durch Weidetiere

Wo in den letzten Jahrzehnten dichter Fichtenwald aufwuchs, öffnet sich die Landschaft wieder. Es entsteht ein Mosaik aus lichten Baumgruppen, Sträuchern, blühenden Kräutern, Totholz, sonnenexponierten Steinen und feuchten Bereichen – Strukturen, die vielen spezialisierten Arten Lebensraum bieten. Viele dieser Arten sind seit Jahrhunderten an die traditionelle Beweidung der Schwarzwaldflächen angepasst. Ein Beispiel ist der Baumpieper: Er brütet gut versteckt am Boden und sucht seine Nahrung auf kurzrasigen, offenen Flächen – Strukturen, die die Heckrinder durch ihr Äsen schaffen. Hohe Bäume nutzt er als Singwarte. Seit dem Start der Beweidung 2024 brütet wieder ein Baumpieper-Paar im Gebiet. Auch andere seltene Spezialisten profitieren, etwa Heuschrecken, Nachtfalter, Wildbienen, Fledermäuse, Vögel und Reptilien. Erfahrungen aus dem angrenzenden Nationalpark Schwarzwald zeigen, dass die stark bedrohte Kreuzotter von Sonnenplätzen in aufgelichteten Wäldern profitiert. Ebenso findet das vom Aussterben bedrohte Auerhuhn Nahrung und Deckung in besonnten Heidelbeerbeständen. Mit der Entwicklung eines lichten „Lichtwalds“ entstehen zudem Heideflächen, die Schmetterlingen, Heuschrecken und Wildbienen als Nahrungs- und Fortpflanzungsstätten dienen.

So funktioniert die Beweidung

  • Zeitraum: Mai bis Oktober
  • Tiere: Vier Heckrinder, eine widerstandsfähige, geländegängige Rinderrasse
  • Wirkung: Durch Fressen, Wälzen, Scharren und Wandern entstehen offene Bodenstellen, kurzrasige Bereiche und artenreiche Säume. Dung verteilt Nährstoffe mosaikartig und dient spezialisierten Insekten als Nahrung; Samen werden über Fell, Hufe und Dung verbreitet. Rindenschälen, Scheuern und Verbiss schaffen Risse, Spalten und Totholz – wichtige Strukturen für Käfer, Fledermäuse, Pilze und andere Waldbewohner.

Vorarbeiten und Flächenerweiterung

Das Forstamt der Stadt Freudenstadt hat in den vergangenen Jahren – zuletzt auch im vergangenen Winter – Fichten entnommen, um wieder mehr Licht auf den Waldboden zu bringen. 2024 wurden Zäune gebaut und die Weideflächen vergrößert. In diesem Jahr wächst die bereits erfolgreich beweidete Fläche von 14 auf 17 Hektar.

Hinweise für Besucherinnen und Besucher

Grinden und Heiden können auf Wegen entlang der Weideflächen erwandert werden. Im Naturschutzgebiet gilt die Naturschutzgebiets-Verordnung: Die Natur hat Vorrang. Durch naturverträgliches Verhalten leisten Erholungssuchende einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Bitte daher beachten:

Auf den Wegen bleiben, Hunde anleinen und Weideübergänge nur durchqueren, wenn keine Rinder in Sichtweite sind. 

Zusammenarbeit und Finanzierung

Die Landschaftspflege mit Weidetieren ist aktiver Artenschutz und dient der Erhaltung der heimischen Artenvielfalt. Im Naturschutzgebiet Kniebis-Alexanderschanze wird sie partnerschaftlich von Kommune, Naturschutz- und Forstverwaltung umgesetzt. Die Beweidung wird aus Finanzmitteln des Landes im Rahmen der Landschaftspflegerichtlinie sowie von der Stadt Freudenstadt über das Ökokonto finanziert.

Hintergrund: Ziel der Beweidung

Ziel ist es, durch die Beweidung aktiv einen lichten Waldbestand zu entwickeln, wie er jahrhundertelang weit verbreitet war. Seit dem Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert wurden Nutztiere wie Rinder, Schweine, Ziegen und Schafe in den Wald getrieben. Große Pflanzenfresser bringen viele ökologische Vorteile: Ihr Dung verteilt Nährstoffe mosaikartig und dient spezialisierten Insekten als Nahrung, die wiederum die Lebensgrundlage für viele Vögel sind. Zudem verbreiten die Tiere Samen über Dung, Fell und Hufe. Wälzen und Scharren schaffen offene Bodenstellen, auf die zahlreiche Wildbienen als Brutstätte angewiesen sind. Durch Rindenschälen, Scheuern und Verbiss entstehen Risse, Spalten und Totholz – wichtige Strukturen für Käfer, Fledermäuse, Pilze und andere Waldbewohner.

Hintergrund: Waldbeweidung mit Heckrindern

Vor ihrer Ausrottung im Jahr 1627 trugen wildlebende Auerochsen zur Strukturvielfalt in den Wäldern bei. In den 1930er Jahren züchteten die Gebrüder Heck das Heckrind, das dem Auerochsen in vielen Merkmalen ähnelt. Diese widerstandsfähige Rasse wird seit den 1980er Jahren in der Landschaftspflege im Rahmen von Beweidungsprojekten in Deutschland, den Niederlanden und Lettland eingesetzt.

Hintergrund: Naturschutzgebiet Kniebis-Alexanderschanze

Das 1996 ausgewiesene Naturschutzgebiet ist rund 190 Hektar groß. Es repräsentiert eine historisch gewachsene Kulturlandschaft mit artenreichen Wiesen, Borstgrasrasen, trockenen und feuchten Heideflächen, Gebüschen und Wäldern. Das Gebiet ist Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000: Es gehört zum FFH-Gebiet „Wilder See Hornisgrinde und Oberes Murgtal“ sowie zum Vogelschutzgebiet „Nordschwarzwald“.

Weitere Informationen

FVA Baden-Württemberg: „Moderne Waldweide als Instrument im Waldnaturschutz – Konzept für Baden-Württemberg

Kontakt

Kontakt

Kontakt

 

Irene Feilhauer
Pressesprecherin
Schlossplatz 1 - 3
76131 Karlsruhe
0721 926-4051
E-Mail senden 

 

Charlotte Erdmann
Stellvertretende Pressesprecherin
Schlossplatz 1 - 3
76131 Karlsruhe
0721 926-6266
E-Mail senden