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Naturschutz

Naturschutzverwaltung schafft Lebensraum für gefährdete Wildbienen

Schweres Gerät im Naturschutzgebiet „Wacholderheide Wurmberg Brücklein“ unterwegs

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Dunkle Zweizahnbiene
Maschineneinsatz im Naturschutzgebiet

Im Auftrag des Naturschutzreferats im Regierungspräsidium Karlsruhe finden aktuell Baggerarbeiten im Naturschutzgebiet „Wacholderheide Wurmberg Brücklein“ in Hardheim statt. Mitten im Kalk-Magerrasen werden mehrere Steilwände angelegt. 
Der Eingriff in Vegetation und Boden gilt besonderen Wildbienenarten, die vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet sind. 
Sie heißen Dunkle Zweizahnbiene, Schimmernde Mauerbiene oder Rote Schneckenhausbiene. 

In dem offenen Boden, den der Bagger geschaffen hat, sollen sie zukünftig wieder nisten können. Gleiches gilt für die Gebänderte Pelzbiene, die in Baden-Württemberg zwar nicht gefährdet, aber sehr selten ist, und deshalb wie die zuvor genannten Arten im Artenschutzprogramm des Landes bearbeitet wird. Anfang der 2000er Jahre war sie noch zahlreich im Gebiet anzutreffen - inzwischen ist sie nicht mehr auffindbar. 2021 wurden in den Naturschutzgebieten um Hardheim 119 Wildbienen-Arten festgestellt, darunter zahlreiche spezialisierte Arten, die ihre Nester im Boden in vegetationsarmen Bereichen anlegen. Durch die natürliche Vegetationsentwicklung gehen solche Standorte zunehmend verloren - und mit ihnen die Wildbienen. Zum Nisten benötigen viele Arten senkrechte Bodenstrukturen. Sie lebten ursprünglich an Uferabbrüchen in den Auen der Wildflüsse. 
Da es solche kaum mehr gibt, sind die Wildbienen inzwischen auf Eingriffe durch den Menschen angewiesen.

Warum Biene nicht gleich Biene ist:

In Baden-Württemberg leben neben den Honigbienen rund 500 verschiedene Wildbienenarten. Fast jede zweite ist in ihrem Bestand gefährdet. Seit dem Jahr 2000 hat sich der Anteil der vom Aussterben bedrohten Arten fast verdoppelt. Im Unterschied zu Honigbienen sind die meisten Wildbienenarten Einzelgänger: Sie leben nicht in Völkern, sondern solitär. Jedes Weibchen legt ihr eigenes Nest an und versorgt den Nachwuchs mit Nektar und Pollen. In ihrer Lebensweise sind Wildbienen sehr anspruchsvoll. Je nach Art sind sie auf spezielle Niststrukturen angewiesen. Viele Arten nutzen Lößsteilwände, andere bauen ihre Nester in Mauerritzen, Schneckenhäuser oder Käferbohrlöcher in abgestorbenen Bäumen. Auch was ihre Nahrung angeht, sind Wildbienen wählerisch: Oft sind sie auf eine Pflanzenfamilie spezialisiert, im Extremfall nutzen sie nur eine einzige Pflanzenart. Es ist also nicht verwunderlich, dass Wildbienen es in heutiger Zeit schwer haben. Dabei spielen sie eine Schlüsselrolle für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen. Sie sind extrem effektive Bestäuber und können Honigbienen damit um ein Vielfaches übertreffen. Vorteile verschafft bestimmten Arten ihr Körperbau, etwa besonders lange Rüssel oder eine starke Behaarung. Auch ihre Toleranz gegenüber kühlem oder trübem Wetter erhöht die Bestäuberleistung. Davon profitieren nicht nur hunderte Wildpflanzen, sondern auch viele Kulturpflanzen wie Obstbäume. 

Wie wir Wildbienen und anderen Insekten helfen können

Fünfe gerade sein lassen: Ein wenig Unordnung im Garten kann viel bewirken. Wenn wir wild aufkommende „Un-“Kräuter, alte Blütenstengel oder verrottendes Holz tolerieren, schaffen wir damit Nahrung und Nistplätze für zahlreiche Insekten.

Gärten vielfältig gestalten: Je mehr verschiedene Pflanzenarten wir im Garten verwenden, umso mehr Nahrung können die unterschiedlichen Wildbienenarten finden. Gebietsheimische Pflanzenarten verwenden: An gebietsheimische Arten sind unsere Wildbienenarten am besten angepasst. Exoten aus Übersee oder Fernost sind hingegen wenig geeignet.

Kräuter anbauen: Viele Heil- und Gewürzkräuter sind attraktive Nektar- und Pollenquellen: Bohnenkraut, Majoran, Lavendel, Thymian & Co. erfreuen nicht nur Menschen, sondern auch Wildbienen. 

Ungefüllte Sorten verwenden: Bei „gefüllten“ Sorten, etwa von Rosenarten, sind die Staubgefäße meist verkümmert. Sie haben wenig Nutzen für blütenbesuchende Insekten.

Dachbegrünung anlegen: Begrünte Dächer haben nicht nur positive Effekte auf das Klima, sondern können auch Nahrung für Insekten bieten.

Natürliche Nistplätze fördern: Wildbienen freuen sich über trocken aufgesetzte oder mit Lehm verfugte Mauern. Aber auch kleine Sand- oder Totholzhaufen werden gerne angenommen.

Künstliche Nisthilfen schaffen: „Insektenhotels“ bieten künstliche Nisthilfen, wo natürliche Strukturen fehlen. Aber Achtung: Auf die richtige Bauweise kommt es an! Sonst bleiben die Nisthilfen nutzlos oder können gar schädlich sein. 

Infos und Tipps dazu

Weiterführende Informationen zum Artenschutzprogramm:

Umsetzung des Artenschutzprogramms in den Regierungspräsidien

Feuerwehrprogramme: Erste Hilfe für bedrohte Arten

Kontakt

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Irene Feilhauer
Pressesprecherin
Schlossplatz 1 - 3
76131 Karlsruhe
0721 926-4051
E-Mail senden 

 

Charlotte Erdmann
Stellvertretende Pressesprecherin
Schlossplatz 1 - 3
76131 Karlsruhe
0721 926-6266
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