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Naturschutz

Landschaftspflege auf dem Hochkopf für den Wiesenpieper

Gehölzentnahme sichert die offenen Grinden am Hochkopf

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Wiesenpieper

Auf dem Hochkopf in Bühl werden ab Anfang Oktober Gehölze entfernt. Die Arbeiten werden in Eigenregie der Stadt Bühl durchgeführt und mit Finanzmitteln des Landes gefördert. Ziel der Gehölzentfernung ist die Wiederöffnung der Grindenflächen (Bezeichnung für die fast baumfreien Feuchtheiden auf den abgeflachten Buntsandstein-Höhenrücken des Nordschwarzwaldes): Offene Grinden sind der Lebensraum des vom Aussterben bedrohten Wiesenpiepers. Um diesen Lebensraum zu verbessern und das Überleben des Wiesenpiepers zu sichern, sind Gehölzentfernungen auf den Grindenflächen notwendig. 

Die Gehölzentfernungsmaßnahme wird in Kooperation der Stadt Bühl, des Regierungspräsidiums Karlsruhe, dem Landkreis Rastatt und dem Landschaftserhaltungsverband Landkreis Rastatt e.V. durchgeführt. Die Maßnahmen werden ehrenamtlich durch den Biologen und Artexperte Fabian Anger begleitet.

Die Arbeiten werden vom Forstbetrieb der Stadt Bühl mit einem Team von acht Forstarbeitern, zwei Forstschleppern und einer Mähraupe im Zeitraum von Anfang Oktober bis Anfang November durchgeführt.  Es werden hauptsächlich Fichten und Fichtengruppen sowie einzelne Latschenkiefergruppen entfernt, sodass wieder eine offene Grindenfläche mit wenigen Einzelbäumen entsteht. Das anfallende Holz wird vor Ort gehäckselt und der energetischen Nutzung zugeführt. 

Im Herbst 2022 wurde bereits eine erste Maßnahme durchgeführt und es konnte anschließend eine erfolgreiche Ansiedlung weiterer Wiesenpieper festgestellt werden. Die erfolgreichen Maßnahmen aus dem Jahr 2022 sollen nun fortgesetzt werden, um noch mehr Lebensraum für Wiesenpieper und andere seltene Offenlandarten zur Verfügung zu stellen.

Der Wiesenpieper steht stellvertretend für viele andere Arten extensiv genutzter Offenlandschaften, bei denen der Artenschwund meist unmerklich von statten geht. Beispiele für diese seltenen Arten sind Heuschrecken, wie der Warzenbeißer (Lat. Decticus verrucivorus) und die alpine Gebirgsschrecke (Lat. Miramella alpina). Die Gehölzpflegemaßnahme dient auch diesen Arten.

Auf dem Hochkopf befindet sich eine der größten verbliebenen Grindenflächen. Bis heute werden die Flächen dort, beauftragt von der Naturschutzbehörde des Landkreises Rastatt, durch eine ortsansässige Schäferei gepflegt. Auch die Förster der Stadt Bühl haben regelmäßig Gehölze entfernt, um ein Zuwachsen zu verhindern. Die verbleibende Fläche ist jedoch für die Erhaltung von Offenlandarten nicht ausreichend. Die Population des Wiesenpiepers auf dem Hochkopf war im Jahr 2022 auf ein letztes verbleibendes Brutpaar geschrumpft und ist immer noch auf einem niedrigen Niveau. Um das Aussterben des Wiesenpiepers und anderer Offenlandarten zu verhindern, werden deshalb jetzt weitere Gehölze entfernt.

Hintergrundinformationen Wiesenpieper und Bodenbrüter

In den letzten Jahrzehnten ist ein landesweiter Rückgang vieler Vogelarten, insbesondere aber der Bodenbrüter bemerkbar. Der Wiesenpieper, der einst in großer Zahl die Wiesen und Weiden Baden-Württembergs besiedelte, ist heutzutage selten geworden. Mehr noch: als vom Aussterben bedrohte Tierart steht er unter europäischem Schutz und wurde deshalb auch ins Artenschutzprogramm des Landes Baden-Württemberg aufgenommen. Eines der letzten Vorkommen befindet sich auf den offenen Grindenflächen des Nordschwarzwaldes. Entstanden sind diese waldfreien Flächen in den Hochlagen entlang des Hauptkamms im Nordschwarzwald im 16. Jahrhundert durch Abholzung, Brandrodung und anschließende Beweidung. Nach Aufgabe dieser Landnutzung ab Ende des 19. Jahrhunderts sind die Grinden durch natürliche Verbuschung und gezielte Aufforstung größtenteils zugewachsen. Heute existieren noch 200 von ehemals 2000 ha dieses Lebensraumtyps.

Hintergrundinformationen: Warum Landschaftspflege heute wichtig ist

Die Landschaft, in der wir in Baden-Württemberg leben, ist schon lange keine Naturlandschaft mehr, sondern wurde seit Jahrhunderten intensiv vom Menschen geprägt: Durch Ackerbau, Weide- und Waldwirtschaft entstand eine kleinteilige, reich strukturierte Kulturlandschaft, die Lebensraum für eine Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten wurde. Mit der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts begann der Artenrückgang, der sich in den letzten Jahrzehnten massiv beschleunigt hat. Dabei spielt neben der Nutzungsintensivierung auch die Aufgabe der Bewirtschaftung eine Rolle. Betroffen sind davon vor allem ertragsschwache Standorte. Auf ehemals gemähten oder beweideten Flächen kommen erst Gestrüpp und Gebüsche auf, nach und nach etablieren sich zunehmend Waldarten, die die Offenlandarten verdrängen. Über Jahrhunderte entstandene Lebensräume und ihrer Artengemeinschaften gehen so verloren. Ohne naturschutzfachliche Landschaftspflege ist Natur- und Artenschutz daher inzwischen nicht mehr denkbar. Indem die ehemalige Grünlandnutzung wiederaufgenommen wird, werden günstige Bedingungen für licht- und wärmeliebende Arten geschaffen. 

Hintergrundinfo Natura 2000 und Schutzgebiete 

Aufgrund der besonderen, landesweiten Bedeutung der Grinde auf dem Hochkopf für viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten wurde dieser Bereich in das Vogelschutzgebiet „Nordschwarzwald“ und in das Fauna-Flora-Habitat (FFH-Gebiet) „Talschwarzwald zwischen Bühlertal und Forbach“, als Teil der europäischen Schutzgebietskulisse „Natura 2000“ miteinbezogen. Gleichzeitig ist diese urtümliche und landschaftlich sehr eindrucksvolle Bergkuppe als Landschaftsschutzgebiet und Schonwald ausgewiesen worden. Von vielen Wanderern wird der Ausblick vom höchsten Punkt des Hochkopfs in das Rheintal und auf die umliegenden Berge, sehr geschätzt. 

Der Erhalt der Wiesenpieperpopulation ist auch wesentlicher Bestandteil des FFH-Managementplans für das Vogelschutzgebiet „Nordschwarzwald“. 

Weitere Informationen zum Thema im Internet:

Die Abgrenzung der Schutzgebiete finden sich im Umwelt Daten- und Kartendienst der LUBW

Informationen zur Abteilung Forst der Stadt Bühl

Landschaftspflege der Regierungspräsidien

Umsetzung des Artenschutzprogramms:

Arten- und Biotopschutzprogramm

Umsetzung des Artenschutzprogramms in den Regierungspräsidien

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Irene Feilhauer
Pressesprecherin
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Dr. Tassilo Keiber
Stellvertretender Pressesprecher
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